Boldran

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Boldran.jpg Boldran vom Sperberhof
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(Link zu Sturm, Boldrans edlem Ross)



Vorgeschichte



Boldran vom Sperberhof war ein einfacher Mann. Ein Bauer mit schlichtem Gemüt, rechtschaffen und gottesfürchtig. Er lebte auf einem kleinen Gehöft weit im Osten, in der Nähe einer grossen Stadt. Boldran hatte die Stadt nur wenige Male besucht, er fühlte sich dabei nie recht wohl in seiner Haut. Sein Leben wurde durch harte Arbeit, Entbehrungen und Schicksalsschläge bestimmt. Seine liebe Frau starb bei der Geburt ihres dritten gemeinsamen Kindes, das Kind selbst, ein Junge, überlebte – den Göttern sei Dank. Vierzehn, vielleicht fünfzehn Sommer nach der Geburt des Kindes, kamen Reiter zum Sperberhof, prächtig gewandete Menschen und einige von ihnen gar in prunkvollen Rüstungen. Sie teilten Boldran mit, daß die Seher des Königs seinen Sohn dazu auserkoren hatten, die Ausbildung eines Paladin zu durchlaufen – eine hohe Ehre, die nur wenigen Auserwählten zuteil wurde. Die hohen Herren zeigten Boldran Brief und Siegel des Königs, schwangen einige begeisterte Reden und überschlugen sich vor Höflichkeit. Boldran bekam von all dem Kopfschmerzen, arge Kopfschmerzen und lesen konnte er eh nicht, darum nickte er immer nur bestätigend mit dem Kopf, wenn man ihm ein Schriftstück vor die Nase hielt. Dann ritten die hohen Herren von dannen und mit ihnen sein Junge, der nicht recht wußte, wie ihm geschah. Boldran vom Sperberhof schaute den davonreitenden Männern noch lange Zeit hinterher, hinter seiner Stirn wurde hart gearbeitet, das brauchte seine Zeit. Schließlich hatte er alles zusammen – sein Junge war fort, nur die Götter wußten, wann er ihn wiedersehen würde. Er hoffte – bald.

Die Jahre gingen ins Land, Boldran wars zufrieden. Die Ernten waren gut, das Vieh nie krank und er und sein Knecht, den er seit einiger Zeit beschäftigte, kamen gut miteinander aus. Das Leben war angenehm im Moment, so wie die Dinge standen. Ja, sehr angenehm, dachte Boldran, während er sich in der Küche eine kleine Mahlzeit zubereitete. Da, das Schnauben eines Pferdes. Und wieder, diesmal lauter. Stirnrunzelnd öffnete Boldran die Tür nach draussen.

Das war unglaublich, sein Sohn, sein leibhaftiger Junge, war zurückgekehrt. Er saß auf einem prächtigen Apfelschimmel, trug eine blitzende Rüstung und hielt in seiner Rechten einen Schild mit Wappen – eine grüne Linde auf gelben Grund. Guter lieber Junge, wußte er doch, daß sein alter Herr Linden besonders schätzte, vor allem, da sie auf seines Vaters Gut zahlreich wuchsen. Boldrans platzte vor Stolz. Sein eigen Fleisch und Blut – ein Paladin, ein Hüter der Gerechtigkeit und Streiter für das Gute (so hatte man es ihm zumindest damals mitgeteilt). „Hallo Vater“, grüßte ihn sein jüngstes Kind, hob kurz die Linke und fiel dann mit einem lauten Scheppern seitwärts vom Pferd.

Boldran hatte seinen Sohn unter den Linden beerdigt, an einer besonders schönen Stelle; von hier konnte man das Flüstern des nahegelegenen Baches vernehmen und der Wind strich stets nur leicht durch die Wipfel der Bäume. Jetzt kniete er bereits seit vielen Stunden vor der frisch aufgeworfenen Erde, in seinen Händen hielt er das zerbrechliche Ding, welches seinem Sohn den Tod gebracht hatte – einen blutrot gefiederten Pfeil. Welch seltsames Geschick, dachte sich Boldran, eine so große und schwere Rüstung zu tragen und dann dennoch..., er ließ den Gedanken unbeendet. Er schaute auf den Pfeil in seinen Händen. Schwarzes Ebenholz, blutrote Federn und eine merkwürdig geformte, leicht gezahnte Spitze. Weitere Stunden vergingen schweigend. Boldran hatte seinen Sohn in einer grauen Leinentunika beerdigt, etwas bequemes, wie er nach reiflicher Überlegung beschlossen hatte, um die letzte Reise anzutreten. Das große Breitschwert hatte er in tief in die Erde am Kopfende des Grabes gestoßen. Die Rüstung lag jetzt vergessen neben ihm. Was sollte er jetzt tun? Er könnte seinen Verstand verlieren. Oder wie bisher weitermachen. Nach Escortin reisen. Was sollte er dort? Es wurde Abend; das Vieh auf der Weide begann unruhig zu werden, scharte mit den Hufen und gab murrende Laute von sich. Boldran erhob sich schwerfällig, seine Gelenke waren steif geworden vom langen Knien. Mit seinen mittlerweile 49 Jahren war es eh nicht mehr so leicht dem Tagwerk nachzugehen, aber was nützte es, zu wehklagen – niemand hätte es gehört. Boldran versorgte sein Vieh, aß noch einen Happen und ging dann zu Bett. Er brauchte Ruhe und Schlaf. Noch lange vor der Morgendämmerung wachte Boldran auf. Schweiß glänzte auf seiner Stirn, Fieberträume hatten ihn gequält. Er kleidete sich an, griff nach einer Schatulle im hinteren Teil des Kleiderschrankes und tappte nach draussen, in Richtung des frischen Grabes. Da lag sie, die Rüstung. Schweigend zog er sie an. Es dämmerte längst, bis er sich vollständig, ungeübt wie er war, in den schweren Panzer gequält hatte, doch schliesslich war es geschafft. Er öffnete die Holzkiste, die er mitgebracht hatte und entnahm ehrfürchtig die alte Waffe, die seit Generationen im Besitz der Familie war. Ein plumbes Ding, staubig und zerkratzt. Einen Rabenschnabel, so nannte man diese Waffe wohl. Ein Blick zurück auf das Grab, ein stiller Moment, dann klappte Boldran vom Sperberhof das Visier hinunter und wandte sich ab.

Er würde voller Stolz das Wappen seines Sohnes in die Welt hinaus tragen.

Er dachte dabei nicht an Rache, er war nicht wütend. Das Denken fiel ihm merkwürdig schwer, ein leichter Schleier hatte sich um sein bewußtes Selbst gelegt. Boldran bestieg schnaufend den Apfelschimmer und ritt fort von seinem Land, hinaus in die Morgendämmerung und einem ungewissen Schicksal entgegen.



Noch mehr Geschichte


Boldran vom Sperberhof ist kein Paladin.

Sein Leben lang arbeitete er hart als ein einfacher Bauer auf dem Gehöft, welches seiner Familie seit Generationen gehörte. Wind und Wetter haben ihre Spuren auf Boldrans Gesicht hinterlassen; ein dunkler Teint zeichnet die scharfkantigen, beinahe knochig wirkenden Gesichtszüge aus. Die Innenseiten seiner großen Hände sind voller Schwielen, die am besten davon zeugen, wieviel harte Arbeit sie bereits verrichtet haben.

Sein Körper ist stets leicht nach vorne gebeugt, teils vom Alter, teils geprägt von der jahrelangen Belastung durch die schwere Feldarbeit. Die dunkelbraunen, leicht krausen Haare, fallen ihm häufig tief in die Stirn und über die Augen; in solchen Momenten wischt er sie verlegen beiseite und verspricht, sie wieder mal stutzen zu lassen, früher hat das seine liebe Frau für ihn gemacht, aber nach ihrem Tod…

Auffällig sind seine leuchtend grünen Augen, die klar und offen blicken. Boldrans Verhalten gegenüber seinen Landsleuten war immer aufrichtig und ehrlich, sein Wort hatte Gültigkeit. Jedermann wußte, daß man ihm trauen und sich auf seine Versprechen verlassen konnte. Per Handschlag wurden Verträge besiegelt, Verträge die eingehalten wurden.

Boldran hat keinerlei Bildung, er weiß nur über jene Dinge Bescheid, die das Bewirtschaften eines Bauernhofes erfordern. Es bereitet ihm arge Mühe, zu lesen und einfachste Sätze niederzuschreiben und er bekommt schnell Kopfschmerzen von solchen „Dingen, die den gebildeten Leuten vorbehalten sind“.

Respekt gegenüber der Obrigkeit, Frömmigkeit, Aberglauben, Hilfsbereitschaft; dies sind die Charaktereigenschaften die Boldran vom Sperberhof auszeichnen, dies waren die Eigenschaften, die den großen Gott Heironeous in der Nacht nach dem Tode von Boldrans Sohn ein Wunder wirken liessen.

Er verlieh Boldran den Status eines Paladins mit allen Rechten und Pflichten, doch vernebelte er auch den Geist des Bauers, so daß dieser sein bisheriges Leben als Bauer hinter sich ließ und dem Sperberhof den Rücken zukehrte.